Nando
Katze
✝ November 2019
Lieber Nando
Wir haben uns vor acht Jahren kennen gelernt, als ich Dir Dein Mampfi bringen durfte, wenn Deine Dosenöffner in der Ferien waren. Sofort wurden wir ganz dicke Kumpel. Dass sich ein flügelloser Zweibeiner so viel Zeit für Dich nimmt und Dir mit Respekt begegnet war für Dich völlig neu. Damals hast Du zum ersten Mal echte Liebe geschnuppert.

Du hattest kein einfaches Leben. Als Spielzeug für die Kinder wurdest Du angeschafft und musstest viel erdulden. Schläge waren für Dich normale Kommunikation der Menschen, Du hattest keinen richtigen Katzenschlafplatz und nur billiges Futter. Von Deiner Familie bekamst Du keine Liebe, keinen Respekt und kein Verständnis für Dein wundervolles Wesen. Die Traurigkeit und Einsamkeit stand Dir immer in den Augen.

Nebenan wuchs meine Familie von anfänglich nur mir und Max immer weiter: Zuerst kamen Lena Mo, Garfield Mo und Moritz Mo dazu, nach zwei Jahren Marina und Homero Don Quijote de la Mancha und ein Jahr später noch Sympathic. So viele Katzenkumpel. Der junge Homero hat Dich dauernd zum Spielen und Rumtollen aufgefordert. Die junge, hübsche Lena hat Dir gefallen. Marina hat sich sehr für Dich interessiert, hat Sie Dich doch monatelang aus unserer Wohnung beobachtet. Doch Monika und Emil hat das gar nicht gepasst, es war Dir verboten, sich mit uns abzugeben. Wie oft musste ich zusehen, wie Du mit Wasserstrahl und Tritten bestraft wurdest. Dein zu Hause wurde von Boshaftigkeit, Missgunst und Neid beherrscht. Wie oft standen Marina und ich in unserer Küche und hatten Tränen in den Augen, wenn wir Dein Elend durch das Küchenfenster sahen. Im Winter wurdest Du nächtelang bei Minusgraden ausgesperrt, nicht einmal eine Wasserschale stand bereit, von einer warmen Decke oder einem Nest konntest Du nur träumen. Und bei schönem und trockenem Wetter musstest Du den ganzen Tag alleine in der heissen und stickigen Wohnung sitzen, während ich mit den Fellnasen Marina, Lena, Homero, Garfield, Moritz und Sympathic in Wald und Wiese unterwegs war. Oft warst Du tagelang aus- oder eingesperrt. Eine Katzenklappe warst Du Deiner Familie nicht wert. Niemand hat sich Zeit genommen für Dich. Niemand hat Dich dort geliebt.

Nur wenn Deine Plagegeister alle in den Ferien waren, dann konnte ich täglich Dir, Max und Homero beim gemeinsamen Sonnen auf Deiner Terrasse zuschauen. Es waren die schönsten Wochen in Deinem Leben.

Als Du diesen Frühling wieder einmal vor dem Haus zu mir kamst und ich Deinen alten, knochigen Körper berührte, schossen mir die Tränen wie Sturzbäche in die Augen und mein Herz tat weh. Dein ganzer Rücken war eine einzige, schmerzhafte Filzplatte. Ich wurde wütend auf Deine herz-, hirn- und seelenlosen Dosis und habe Dir herzlich Asyl angeboten. Sofort haben alle Samtpfoten Deine Anwesenheit akzeptiert, Du hast schon immer dazu gehört. Und Du konntest es lange gar nicht wahrhaben, wie sanft und liebevoll wir miteinander umgehen: Von Moritz gab es sofort intensive Köpfchenputscher, Homero, Garfield, Sympathic, alle haben sich zu Dir gelegt und gespürt, dass Du ihre Nähe brauchst. Und Sie haben Dich respektiert und in Ruhe gelassen. Marina hast Du ganz speziell gefallen, nur ihre Annäherungsversuche waren Dir suspekt. Du hast wohl nicht vergessen, dass Dich Lena einmal heftig verprügelt hat. Aber man springt auch nicht einfach eine Katzenlady an, so fängt man sich bei der kleinen und flinken Lena eben ein paar Kratzer ein. Moritz und Garfield haben Dir frisch gefangene Mäuse gebracht und offeriert. Es war wunderschön Dir zuzusehen, wie Du Sie mit grosser Freude und Genuss und mit tiefem schnurren verdrückt hast.

Anfänglich warst Du noch unsicher, hast Dich oft in einer dunklen Kartonschachtel im "Katzizimmer" versteckt. Wenn Du vom grässlichen Emil wieder für viele Stunden eingesperrt warst und dann noch Prügel bekamst, weil Du Dich übergeben musstest oder das Katzenklo nicht richtig getroffen hast, dann bist Du zu uns gerannt und hast Dich wimmernd und weinend in Deiner Schachtel versteckt. Anfangs November kamst Du immer näher, eine Woche lang hast Du jede Nacht bei uns zwischen Garfield, Homero und mir geschlafen.

Doch das war Dein Todesurteil. Sie haben Dich letzte Woche umgebracht, aus Neid, aus Missgunst, aus Boshaftigkeit. Es passt nicht in ihr Weltbild, dass Du bei uns noch die Geborgenheit und die Liebe bekommst auf Deine alten Tage, welche Du mit Deinem grossen Herz und Deiner wunderschönen Seele verdient hsst. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Vermutlich sogar mit dem Knüppel. Armer Nando, wir hätten Dich so gerne noch eine Weile bei uns gehabt. Wir werden Dich für immer im Herzen mit tragen und hoffen, Du bist gut über die Regenbogenbrücke gekommen und findest endlich die Wärme und Liebe, welche Dir im irdischen Leben nicht gegönnt war.

Rainer, Marina, Lena, Moritz, Homero, Garfield und Smpathic - 11. November 2019

Katze
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen"
Albert Schweitzer (1875 - 1965)
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Nando und Marina
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Nando und Homero
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Nando und Max
last mice
Nandos letzte Maus, ein Geschenk von Moritz
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